Unsere Generation

Ich habe letztens wieder einen Text gelesen von der Poetry Slammerin Julia Engelmann, die die damals 2014 total viral ging mit ihrem Text Eines Tages Baby, wenn ihr danach googelt werdet ihr es wiedererkennen. Schon damals habe ich ihr zugestimmt, sie spricht offensichtliche Sachen nunmal aus. Nun habe ich einen neuen Text gefunden, der mir ins Auge sticht.
Ein ist ein Auszug von Teil 2 von 3 – "Was ich alles hab’, aber nicht will"

 

"Ich hab’ Angst, ich hab Angst vor falschen Entscheidungen und davor, mich nicht zu entscheiden. Ich hab Angst irgendwo weg zu gehen und mir eigentlich wünschen zu bleiben. Ich hab’ Angst, Fehler zu machen, auch wenn ich weiß, dass sie wichtig sind. Ich hab’ Angst zu spät zu merken, welche Wege doch richtig sind, ich hab’ Angst davor, wie schnell Zeit vergeht und dass ich sie nicht richtig nutze. Ich hab’ Angst, dass ich nicht alles umsetzen kann, was mir eigentlich lange bewusst ist. Ich hab Angst, dass ich nie eine so gute Mutter, wie meine, werde. Ich hab’ Angst, dass es Dinge gibt, die, obwohl ich das weiß, niemals lerne. Ich hab’ Angst, ich selber zu sein und dass das nicht ausreicht. Ich hab’ Angst so viel zu verpassen, ich sag zu oft „vielleicht“ und manchmal habe ich Angst, dass ich im Zug keinen Platz kriege oder mein Ticket verliere. Ich habe Angst, dass ich Angst viel zu wichtig nehme oder vielleicht falsch definiere. Ich hab’ Angst, dass ich vom ganzen Nachdenken irgendwann heimlich, still und leise implodiere und in Tausend Stücke zersplitter. [...]"

 


 

 

Und wenn das nun Mal nicht einfach auf unsere Generation perfekt passt. Ich denke ich und viele haben sich wieder gefunden. Unsere Generation ist eine Generation, der immer gesagt wurde, wir sind besonders, wir wachsen anders auf, wir sind die Millenniumskinder. Wir wachsen quasi mit dem American Dream auf, wir können alles haben, wir können einfach alles erreichen, wenn wir es wollen und uns anstrengen. Nun haben wir die Schule beendet und stehen da und haben entweder zu viele Möglichkeiten oder eben genau zu wenig, da man sich etwas nicht leisten kann, da die Eltern nicht ausreichend verdienen für den Wunsch, oder es eben doch nicht klappt, was man sich wünscht. Unser Bild ist zerstört und wir sind uns unsicher. Unsicher wie wir damit umgehen soll und was wir machen sollen. Wir haben Angst immer das Falsche zu machen und den falschen Weg zu gehen, denn bei unseren Eltern hat es ja meist auf Anhieb geklappt. Das war zwar was ganz anderes, aber das vergessen sie ja meistens. Sie wollen das Beste für uns, wissen aber auch nicht wie und wissen nicht wie es ist in unserer Generation groß zu werden.
 

 

 

 

Wir sind die erste Generation, die mit dem Internet aufwächst, mit Instagram und Facebook und Snapchat. Wo immer alles als wunderschön und brillant dargestelllt wird, einer übertrifft den Anderen und allen geht es immer gut. Alle reisen andauernd, alle haben Unmengen an Freunden und Partys, alle kaufen sich was sie wollen und man selbst, tja man selbst findet sich eben nicht wieder. Wir leben in einer Generation, die einfach so viele Jugendliche hat, die mentale Probleme haben, dass es nicht normal. Sei es Depressionen, Anxiety oder eben alles Mögliche. Ich habe noch in keiner der Generation davor, so viele erkrankte Jugendliche gesehen. Letztendlich wird aber nie darüber gesprochen, denn das ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, mentale Probleme, so was gibt es nicht! Versucht mal danach zu googeln oder allein Studiengänge zu finden, entweder Ergebnisse auf englisch oder gar nichts. Dabei ist es wichtig, immer mehr Jugendliche fühlen sich unter Druck gesetzt, unter dem Druck ebenso gut zu sein und schön zu sein und keine Fehler zu machen, denn Andere sind ebenso fehlerlos, dass sie sich zurückziehen, dass sie sich Sorgen machen, so extrem Sorgen, dass es nicht mehr gesund ist.
 

 

 

 

Das fängt schon mit 14 Jährigen an! Das ist besorgniserregend! Und wir sollten uns alle Gedanken darüber machen, wieso es bei uns anfing und wohin es uns noch führen soll. Wir sind nie so gut wie unsere Eltern, wir wissen nicht was wir machen sollen, wir haben viele Probleme und wir müssen darüber diskutieren, das darf einfach kein Tabuthema mehr sein. Wir sollten weniger abhängig vom Internet sein, weniger abhängig davon was andere Leute denken und mehr auf uns selbst achten und auf uns selbst hören. Natürlich im Internet findet man auch auf Gleichgesinnte, Leute mit Problemen, die sich gegenseitig helfen können. Aber insgesamt muss die perfekte Darstellung entweder aufhören, oder einfacher - man darf selbst nicht mehr darauf hören und achtgeben.

 

Trotzdem sind wir verunsichert in unserer Zukunft. Keiner weiß, was er machen soll, keiner weiß, wohin er gehört und ob wir das jemals heraus finden werden, ist fragwürdig. Ach der eine reist mal lieber noch ein Jahr und geht auf Selbstfindungsphase und die anderen quälen sich in der Ausbildung ab. Es ist unfair. Das Leben ist unfair, aber da müssen wir einfach durch.
 
 
 

 

Manche Menschen

Es gibt so manche Menschen in unserem Leben, die kommen einfach so spontan. Die kommen einfach so in unser Leben und machen alles besser. Die kommen und sind für einen da und man denkt sich nur die ganze Zeit, wie hab ich das eigentlich nur ohne diesen Menschen ausgehalten? Das ist nicht eine schnulzige Liebeserklärung an meinen Freund, der weiß das alles schon längst, ist ja klar! Das geht an eine Freundin, die ich erst seit einem Monat kenne, es mir aber so vorkommt, als kenne ich sie schon seit Jahren. Und natürlich, schreibt das Internet einfach die besten Geschichten, denn wie es der Zufall so wollte, haben wir uns auch dort kennengelernt!

 

Oh ja im großen, weiten Internet. Um ehrlich zu sein in einer App, aber keiner Dating App, habt ihr gedacht was? Haha! Wir lieben beide die gleiche Musik, natürlich twenty one pilots. Es ist einfach eine verdammt wunderbare Band, das kann hier niemand widerlegen. Und eben weil sie so verdammt wunderbar ist, haben Fans eine App dazu erstellt, wo sich alle Fans austauschen und nach mehr Verrückten suchen können. So haben wir uns gefunden, eigentlich noch zwei andere wundervolle Menschen, jedoch Eine aus Singapur und ein lustiger Holländer, Bart wird das nie lesen können, aber verdammt du bist geil! Jetzt aber ernsthaft wir haben die Gruppe erstellt und schreiben seitdem jeden verdammten Tag. Lou, so heißt sie, kommt dabei aus Deutschland, leider wohnt sie aber in NRW. Wir haben jeden Tag über Snapchat über die krassesten Themen diskutiert und haben uns einfach so gut verstanden. Tja, wie der Zufall es noch einmal so wollte, kam sie letztes Wochenende nach Berlin, eigentlich wegen eines Tattoos, aber natürlich wegen mir, wem machen wir hier was vor? So fuhr sie also nach einem Monat Dauerkontakt nach Berlin und wir sollten uns treffen!

 

 

Wir haben uns einfach so gefreut, schon Tage vorher, unsere anderen beiden Leute wollten natürlich auf dem neuesten Stand gehalten werden, bisschen neidisch waren sie da schon. Sie hat bei ihrem Onkel geschlafen über das Wochenende und so sollte sie mich von der Bahnstation abholen, die bei ihrem Onkel war, tat sie auch nach Verspätung, sie hatte sich verquatscht! Nach verwirrten "HÄÄ WO BIST DU DENN?" Gesprächen am Handy liefen wir uns quasi in die Arme. Und waren so überrascht und gleichzeitig glücklich, ahhhhh! Das war im ersten Moment so unreal! Glaubt mir, wenn ihr euch mit jemandem aus dem Internet trifft, ist das erste Mal sehen IMMER merkwürdig, also nicht schlecht, es ist nur so komisch, eine Person wirklich live zu sehen, das kann man nicht beschreiben! Fast so, als wenn man auf einem Konzert ist und den Künstler das erste Mal live auf der Bühne sieht. Wir lachten also, machten Sprachnachrichten und Lou spielte Ukulele, was eine Verrückte!

 

Wir wollten noch einmal kurz zur Wohnung von ihrem Onkel, da wir oben auf dem Dach Fotos machen wollten, da kam er uns entgegen und hat uns begrüßt, als Lou meinte, wir haben uns heute zum ersten Mal gesehen, war er extrem überrascht, da wir so vertraut miteinander umgegangen sind, dass er das nicht vermutet hätte! Kurz also auf das Dach, nur ein wenig gefährlich und wir waren uns sicher, noch mal zum Sonnenuntergang fällt bestimmt einer um auf der Leiter, Gott war das wackelig, was macht man nicht alles. Runter also und noch mal später wiederkommen. Wir liefen dann zu KFC, um zu essen und da haute sie raus, sie sei Vegetarierin, klar ich nehme eine Vegetarierin mit zu KFC, bin echt eine gute Freundin, war aber kein Problem, ein Glück haha! Shoppen beim ersten Pop up Store von odernichtoderdoch, für Lou noch Essen suchen und oh Gott da ging auch schon die Sonne unter! Heißt noch einmal zurück und auf das Dach klettern. Bei mir fiel fast die Leiter um, dann hätten wir da festgesessen, wäre auch ein einprägsames Treffen geworden, erforen auf dem Dach. Es ging aber alles gut und so hatten wir die Aussicht auf Berlin beim Sonnenuntergang. Wir hörten twenty one pilots und fotografierten und genossen. Ich hätte da ewig bleiben können, es war wunderschön und entspannt.
Nächster Stopp noch einmal Klamottenläden und dann zum Tätowierer! Es war ein Walk In, heißt wir mussten noch warten, aber mit Wlan, Strom, Knabberzeug und Trinken lässt es sich Stunden aushalten. Wir redeten über alles Mögliche, wie sagt man so schön, über Gott und die Welt. Wir hätten ewig dort bleiben können und waren erschrocken als man uns sagte wir wären dran, waren wir nicht erst seit ein paar Minuten da? Oh .. nein, schon über eine Stunde. So bekamen wir beide ein Tattoo, welches wir uns schon lange gewünscht hatten, nicht viele kennen die Bedeutung, aber wir beide wissen sie. Lou und ich waren danach einfach so gut drauf und mussten dauerhaft lachen, was es nicht besser machte als ein Mann zu mir meinte, ich hätte da etwas verloren und als dort nichts lag, er nur erwiderte "Mein Herz!" Da ging das Lachen dann weiter, Entschuldigung Typ, aber falscher Zeitpunkt für solche Sprüche!

 

 

Wir wollten uns einfach nicht trennen, so verbrachten wir noch die Zeit am Alexanderplatz, aber irgendwann mussten wir einfach, wir fuhren mit der U-Bahn und ich musste aussteigen, wir umarmten uns und sagten Tschüss, wie im Film lief ich noch mit der Hand an der Scheibe hinterher und weg war sie. Und zu Ende war der wunderschöne Tag. Kennt ihr das, wenn ihr einfach eine Verbindung mit einem Menschen habt? Es klingt einfach so ausgelutscht, aber ich war lange nicht mehr so happy für so lange Zeit. Mein Jahr wisst ihr ja, war scheiße, und seitdem seh ich viel Negatives, selbst mit Freunden redet man natürlich auch über deren Probleme, oder sonst noch Dinge die einen bedrücken, aber mit Lou war es dauerhaft gute Laune, wir mussten einfach so verdammt viel lachen. Es war wie ein Tag Auszeit von der Traurigkeit und das habe ich wirklich gebraucht. Ich frage mich, wie viele Leute man verpasst in seinem Leben mit denen man sonst vielleicht befreundet gewesen wäre, es aber einfach die falsche Zeit oder der falsche Ort ist? Diese Freundschaft war auch nur der pure Zufall, aber ich bin froh darüber. So können Menschen aus dem Internet, genauso wichtig werden, wie schon die Leute aus dem echten Leben. Ich bin froh alles erzählen zu können und dass sie auch immer wieder zu mir kommen kann, wenn etwas ist, das macht es ja auch aus.
Danke Schicksal, dafür dass man mir so eine gute Freundin geschickt hat.

 

 

Und jetzt interessiert es mich ob ihr Internet Freundschaften habt? Wie habt ihr euch kennen gelernt und habt ihr euch schon getroffen? Ich würde so gerne Geschichten lesen, haut alles raus!
Footergrafik Text Caroline Mäske

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